Kultiviši se: Božo Vrećo – Pflege der Tradition und ihre Modifikation

Das, was für uns ein Lied ist, ist die Liebe in uns. Es gibt nirgendwo den Sevdah bis auf den in ihrem Haar, in ihrem Lied, in ihrer Stimme. Es ist schwierig über die Sevdalinka zu reden, die überaus breit, allumfassend, und doch gleichzeitig prägnant, konkret und klar ist.

Entstanden auf dem Fundament des lyrischen Volksliedes, bietet sie an sich die Fähigkeit der Aufnahme von Elementen anderer, verwandter Kulturen, aber auch den, durch das Aufsaugen äußerer Klänge, qualitativen Austausch, ohne dabei ihre Authentizität zu verlieren.

Bosnien hat, als Schnittpunkt verschiedener Kulturen, eine Art des Volksliebesliedes hervorgebracht, welches aufzeigt, dass alles, was wir streifen sich in Eines kurz fassen kann, dabei aber vollständig verbleibt, ohne Konfrontationen.

Konflikte bestehen in Sevdalinka nicht, obwohl sie einen Punkt der Kulmination beinhaltet und starke Traurigkeit, die erschüttert.

Sie ist ganz mit erhobenem Frieden verwoben, der seine Wurzel aus reiner Volkslyrik bezieht, während die starke Traurigkeit und die Agonie melodisch von Anflügen östlicher Kultur durchdrungen sind.

In solchem Beseeltsein und der Komplexität, sowie der Emotionanhäufung, aber auch der Einfachheit selbiger, verlangt die Sevdalinka eine besondere Art der Aufführung.

Sie kann entweder falsch interpretiert werden und uns dann übertrieben oder banal wirken, oder sie kann so dargeboten werden, dass wir ihre Erhabenheit, ihre Ursprünglichkeit und ihre Vielschichtigkeit erleben. In der Interpretation der Sevdalinka gibt es keinen Mittelweg.

„Es ist nicht für einen Jeden, Sevdalinka zu singen, da es nicht ausreicht, ein guter Sänger mit schöner Stimme zu sein. Dieser Sänger muss in erster Linie ein Künstler sein, und Künstler unter den Sängern gibt es wenige, so wie es wenige unter den Zuschauern gibt. Wahrlich, das Hören eines echten Liedes und eines echten Sängers ist ein besonderes Erlebnis, ungewöhnlicher psychischer Zustand, aufgeladen mit großer Spannung reiner Emotion und Sensibilität.“
(Vlado Milošević, Sevdalinka, 1964, S. 17)

Die sinnliche Mystik der Sevdalinka kann nicht jeder beleben und eben das fasziniert bei dem Künstler Božo Vrećo.

Sinnlichkeit und Heiligkeit sind die zwei Konstanten jeder Sevdalinka. Gegensätzliche Elemente vereinigen sich in der Sevdalinka, aber auf eine Weise der erhobenen, versöhnlichen Volksweisheit.
Es ist schwierig, sie in formelle Rahmen einzuordnen.
Sevdalinka ist ein Lied der Liebe, der Liebessehnsucht und Liebesbegeisterung.
Sie singt über das Ontologische in uns, aber sie ist immer die individuelle, lokale Geschichte einer Zeit und eines Raums, und gleichzeitig hebt sie sich aus diesen Einzelheit auf das Allgemeinniveau und in ihrer Traurigkeit bringt sie die Katharsis mit, welche immer das Erkennen voraussetzt.

Wenn jede Kunst das Ziel hat, einen Sieg über die Zeit zu erringen, beziehungsweise die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zu vereinigen, dann ist das im Musikbereich der Sevdalinka sowohl die Aufgabe des Liedes, als auch die Aufgabe des Sängers, der sie aufführt.

Božo Vrećo: Kunst und Tradition

Das Verhältnis zur Tradition ist immer auch die Frage des Verhältnisses gegenüber dem kulturellem Ursprung eines Volkes und vielmehr eines Wertigkeitsumfangs, der sie einschließt. Dass, was bei Božo Vrećo erkennbar ist, ist sein Umgang mit der Vergangenheit, welcher voller Wertschätzung ist, aber auch die Verantwortung, die die Vergangenheit des Gebietes, dem wir angehören, mit sich bringt

Der Mensch ist niemand, oder jeder, irgendjemand, ohne Spiegelung im Anderen. In diesem Fall andersartigeres jemand oder etwas aus der Vergangenheit. Die Frage die sich stellt, ist das Verhältnis des künstlerischen Individuums gegenüber der Tradition, bzw. was die Tradition überhaupt darstellt. Darüber sprach Thomas Stern Elliot in dem Essay Tradition und individuelles Talent:

„Tradition ist eine Sache, die eine viel tiefere Bedeutung hat. Sie kann vererbt werden, aber wenn sie sie brauchen, müssen sie sie mit großer Mühe erwerben. An erster Stelle beinhaltet sie das Gefühl für die Geschichte, über das wir sagen können, dass es unentbehrlich für jeden ist, der auch nach dem fünfundzwanzigsten Lebensjahr ein Dichter sein möchte; dieses Empfinden der Geschichte schließt nicht nur das Vergangene in der Vergangenheit, sondern auch das Gegenwärtige in der Gegenwart: der Geschichtssinn zwingt einen Menschen dazu, nicht nur, bis in den Kern durch seine eigene Generation durchdrungen, zu schreiben, sondern mit dem Gefühl, dass die ganze europäische Literatur seit Homer, und im Rahmen dessen, die ganze Literatur seines eigenen Landes gleichzeitig existieren und gleichzeitig eine Ordnung bilden.

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