Večernji list: Sinfonie des Sevdah-Botschafters, die die Seele nährt

Katharsis. Das ist das, was ein Engel bringt, beziehungsweise „Melek“, das neue Album von Božo Vrećo. Und gerade dann, wenn Vrećo’s Publikum denkt, dass es besser und schöner nicht mehr geht, dass seine Musik wahrlich der beste Seelenbalsam wäre, erscheinen 18 neue Lieder, von denen jedes einzelne für sich eine besondere Geschichte zu erzählen hat. Vereint unter „Melek“ können sie fast konzeptionell angehört werden. Das Album ist nicht weniger als eine Sinfonie der intimsten Gefühle, die sich in der Kunst ergießen, wie sie nur Božo Vrećo zu erschaffen vermag.
Angefangen bei der Semantik impliziert bereits der Titel des Albums Sanftheit, Liebe und Güte. Dennoch kann der Zuhörer dorthin erst gelangen, wenn er den Schmerz und die Enttäuschung erfahren hat, welche sich implizit durch die ganzen 70 Minuten scheinbar überirdischer Musik durchziehen. Wie in bisherigen Werken dominiert auch auf diesem Album der a cappella Gesang, subtil instrumental begleitet von erstklassigen Musikern wie Vasil Hadžimanov („Ko li noćas miluje ti kosu“), Miroslav Tadić („Volio me kao oči“), Vasko Atanasovski („Dragi“) und anderen.
Da ist natürlich auch Marko Louis, mit dem Vrećo schon seit einiger Zeit in einer ziemlich erfolgreichen Symbiose ist. Außer dass er stimmlich in „Sanjao sam“ gastiert, ist Louis‘ erkennbare Spur auch in den Liedern „Jelenče“, „Esma“ und „Meni si bila vrijedna“ spürbar.
Ein besonderer Moment des Albums sind die Übergänge innerhalb der Lieder, wie zwischen „Polje makova“ (feat. Luboyna) und „Marija“ (feat. Ingmar Piano Duo). Und eben dann, wenn den Zuhörer der feurige Tanz durch das Mohnfeld mitnimmt, kommt es zu kopernikanische Wende, in welcher es durch jeden Takt selbst einem Stein möglich wäre das Leid aus Vrećo’s Marija zu spüren. Wie einer der größten und erkennbarsten Botschafter des Sevdah’s.
Vrećo hat wieder einmal gezeigt, dass auch die schweren Dinge wie „Melek“ dennoch Schönheit und Frieden bringen können.
Man muss sich nur an sie heranwagen.
(Večernji list – Jelena Ružić / 23.07.18)

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